Jahresbrief 2026
Wie können wir heute Impulse zur Stärkung unserer Demokratien setzen?
Benno Herz, Programmdirektor des Thomas Mann House Los Angeles,
zur Ausstrahlung der multimedialen Reihe „55 Voices for Democracy“
des Thomas Mann House 2025
(https://www.deutschland.de/de/topic/kultur/thomas-mann-house-videos-und-
podcasts-voices-for-democracy)
Aufgabe und Verpflichtung der Internationalen Novalis-Gesellschaft
- auch und gerade heute und in der Tradition Novalis’
Liebe Mitglieder, sehr verehrte, liebe Freunde, Förderer und
Kooperationspartner der Internationalen Novalis-Gesellschaft,
mit diesem Brief gehen die allerbesten Grüße und die herzlichsten Wünsche für ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2026 an Sie alle. Möge es Frieden bringen, erhalten, festigen – überall auf der Welt!
Wir danken Ihnen allen für Ihre aktive Teilnahme, Begleitung und Unterstützung der Arbeit der Novalis-Gesellschaft im ablaufenden Jahr.
Es war ein Jahr, das für die Novalis-Gesellschaft viele Herausforderungen, neue Überlegungen und wichtige Schritte in sich barg. Wenn es gelang, diesen Weg zu gehen, dann ist dies in ganz besonderem Maße mit Ihrer aller aufmerksamer und vielgestaltig inspirierender Begleitung und Unterstützung der Tätigkeit des Präsidiums der Gesellschaft verbunden. Hierfür danken wir Ihnen und hoffen, auch für das Jahr 2026 weiter darauf zählen zu dürfen.
Erlauben Sie mir einen Rückblick auf besondere Schwerpunkte in der Arbeit der Gesellschaft im Jahr 2025.
Zu einem ganz besonderen Höhepunkt im ablaufenden Jahr gestaltete sich – wie gute Tradition – das Mitgliedertreffen der ING im Mai, eingeleitet durch die Verleihung des Novalis-Preises 2025, ausgelobt durch die Internationale Novalis-Gesellschaft, die Stiftung „Wege wagen mit Novalis“ (Forschungsstätte für Frühromantik) und die Friedrich-Schiller-Universität Jena, Forschungsstelle Europäische Romantik. Im Zweijahresrhythmus werden mit dem Preis herausragende Forschungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Romantik und ihren Wirkungen ausgezeichnet.
Am 2. und 3. Mai 2025 fand an der Universität Jena, im wunderbaren Ambiente der ehrwürdigen Alma Mater (im Senatssaal und den Rosensälen), das diesjährige Kolloquium zum Thema „Politiken der Romantik“ und die feierliche Preisverleihung des Novalis-Preises 2025 statt, beides kuratiert durch die Forschungsstelle Europäische Romantik der Universität Jena und konkret vorbereitet und realisiert durch Dr. Helmut Hühn und Prof. Dr. Johannes Grave.
Es waren für den Preis 2025 exzellente Arbeiten eingegangen, insbesondere auch von Frau Dr. Julia Soytek (mit ihrer Dissertation zum Thema „Tautologiepoetik. Begründungen frühromantischer Formkunst im Grenzbereich moderner Kommunikation“) und Herrn Dr. Martin Ehrler (mit seiner Dissertation „Nicht-Landschaften. Zur Rezeption der Romantik bei Wolfgang Hilbig und Wolfgang Mattheuer“), deren Arbeiten von der Jury in die engere Wahl gezogen wurden. Mit dem Novalis-Preis wurde Dr. Raphael Stübe für seine Dissertation „Neoromantik der Jahrhundertwende. Transformationen eines romantischen Erzählmodells um 1900“ am 3. Mai 2025 ausgezeichnet.
Es ist eine beeindruckende Entwicklung, dass die Einreichungen 2025 für den Novalis-Preis auf höchstem Niveau inhaltlich ein so breites Spektrum wissenschaftlicher Romantik-Forschung abbildeten.
Das Mai-Treffen 2025 im Novalis-Schloss Oberwiederstedt am 3. und 4. Mai schloss sich an das wissenschaftliche Programm rund um die Preisverleihung an.
Anliegen des Mai-Treffens war es in diesem Jahr insbesondere auch, sich für die Bürgerinnen und Bürger der Region zu öffnen und ein breitgefächertes Angebot an besonderen Veranstaltungen anzubieten, gemeinsam getragen durch die ING, den Trägerverein Klosterkirche Wiederstedt (Novalis-Taufkirche), die Forschungsstätte für Frühromantik, das Novalis-Museum Schloss Oberwiederstedt und die Erlebniswelt Museen e.V. So konnten gemeinsam zwei ausstrahlende Kulturtage in Oberwiederstedt gestaltet werden, die auf breites Interesse in der Region stießen. Die Angebote erstreckten sich über Lesungen, Vorträge, musikalische Höhepunkte bis zur Niederlegung eines Blumengebindes am Grab von Novalis’ Mutter. Der Vortrag von Frau Prof. Dr. Francesca Vidal „Die Sprache der Antisemiten“ griff ein brennendes Thema unserer Zeit auf und stimmte zugleich auf die Tagung der ING „Romantik im Netzwerk Demokratie“ ein, die für den Herbst 2026 geplant ist und deren Vorbereitung begonnen hat.
Das Mai-Treffen war geprägt durch außerordentlich regen und konstruktiven Gedankenaustausch, der Impulse gab für die weitere Arbeit der ING. Allen Teilnehmenden sei herzlich für diese intensive und so bereichernde Mitarbeit gedankt! Lassen Sie uns auf diesem gemeinsamen Weg weitergehen!
Augustin Coelestin Just über Friedrich von Hardenberg:
Ich sollte sein Führer und Lehrer werden, aber er ward mein Lehrer.
Nicht nur, daß ich selbst in denjenigen Fächern, wo ich ihn vielleicht
durch Erfahrung und Uebung und Kenntnissen übertraf,
alle meine Kraft aufbieten mußte, um seinem Forschungsgeiste,
der sich mit dem Gemeinen, Bekannten und Alltäglichen nicht begnügte,
sondern das Feine, das Tiefe, das Verborgene überall aufsuchte,
einige Genüge zu leisten; sondern auch hauptsächlich, daß er mich mit sich fortriß,
mich von den Fesseln der Einseitigkeit … befreite, mich zu den Idealen,
die seinem Geiste immer vorschwebten … erhob
und den fast entschlummerten ästhetischen Sinn in mir weckte.
Augustin Coelestin Just: Friedrich von Hardenberg,
in: Nekrolog der Teutschen für das neunzehnte Jahrhundert,
hrsg. von Friedrich Schlichtegroll, Bd. 4, Gotha 1805, S. 187.
Einen wichtigen Schwerpunkt in der Arbeit des Präsidiums der ING bildete der Beginn der Vorbereitungen auf die geplante wissenschaftliche Tagung „Romantik im Netzwerk der Demokratie“ im Herbst 2026. Mit diesem so bedeutsamen Thema stellt sich die ING, gemeinsam und in Kooperation mit der Stiftung „Wege wagen mit Novalis“, der Humboldt-Gesellschaft e.V., der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V. und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der gesellschaftlichen Verantwortung aller demokratisch Denkenden in Zeiten des bedrohten Friedens weltweit, indem sie an die Bedeutung der Diskursfähigkeit in der Romantik erinnert. Ziel ist es, sich in wissenschaftlicher Diskussion den Formen der Kommunikation der Romantik zu nähern, sie als wichtigen Teil des kulturellen Gedächtnisses zu begreifen, um dann – wie Novalis es fordert – gemeinsam zu erarbeiten, was sich daraus für unsere Gegenwart und Zukunft ergibt.
Stilles Zurücktreten in sich selbst, leise Abwägung der mancherlei Verhältnisse
des menschlichen Lebens und eine Bescheidenheit, die man fast nicht zu weit treiben kann,
sowohl im innern als im äußern Leben, sind einige Hauptingredienzender
wahrsten Philosophie des Lebens, deren vortheilhaften Einfluß
man fast mehr im Ganzen als im Einzelnen bemerkt.
Friedrich von Hardenberg an seinen Bruder Erasmus am 16. März 1793,
Novalis Schriften, HKA Bd. 4, Abt. II, Nr. 35.
Wir werden Sie im Laufe des kommenden Jahres über alle wichtigen Schritte auf dem Weg zur Tagung jeweils zeitnah informieren.
Schwerpunkt für die Arbeit des Präsidiums war darüber hinaus die Vertiefung und akzentuierende Erweiterung der Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern.
Insbesondere mit
der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V.
der Forschungsstätte für Frühromantik und Novalis-Museum Schloss Oberwiederstedt,
der Stiftung „Wege wagen mit Novalis“,
der Forschungsstelle Europäische Romantik der Universität Jena,
der Humboldt-Gesellschaft e.V. und hier speziell der Regionalvertretung Mansfelder Land der Humboldt-Gesellschaft,
dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V.,
dem Romantikmuseum Frankfurt a.M.,
dem Trägerverein Klosterkirche Wiederstedt (Novalis-Taufkirche)e.V.,
der Universität Halle-Wittenberg, Institut für Germanistik,
und der Werkleitz Gesellschaft
gelang es, gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungs-Höhepunkte zu gestalten.
Exemplarisch sei hier erinnert an die gemeinsame Veranstaltung der Internationalen Novalisgesellschaft e.V. und des Trägervereins Klosterkirche Wiederstedt (Novalis-Taufkirche) e.V.
Der Bauer an seinen Durchlauchtigen Tyrannen. Bauernkrieg 1525 # Bauern 2.0,
die in der erstmals als Veranstaltungsort genutzten Dorfkirche Unterwiederstedt zur Aufführung kam.
Erasmus an seinen Bruder Friedrich am 6. Dezember 1794:
Das Gefühl einen Bruder zu haben, auf den man sich selbst in Kleinigkeiten verlassen kann,
unumstößlich fest verlassen kann, auf dessen Wort man wie auf Felsen bauen kann,
tausche ich nicht um alle Güter und Schätze der Erde.
Novalis Schriften, HKA Bd. 4, Abt. III, Nr. 16
Auch in der Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gelang es, im Nachklang des Kolloquiums der ING „Wald – eine romantisch-realistische Ressource“ vom Mai 2024 und der Lesung von Gedichten des 18. Jahrhunderts durch Studierende der Universität unter dem Thema „Ausflüge in den vorromantischen Wald“, weiterführende Initiativen anzustoßen. Germanistik trifft Wanderlust! Unter der Leitung von Dr. Christiane Holm haben Studierende einen literarischen Waldwanderweg entwickelt, der auf dem Iberg beim Heilbad Heiligenstadt eröffnet worden ist, und planen nun, gemeinsam mit Hettstedter Schulen einen Novalis-Märchen-Weg in Oberwiederstedt in Angriff zu nehmen. Auch dieses Projekt wird gemeinsam durch die Universität Halle-Wittenberg, die ING, die Forschungsstätte für Frühromantik und Novalis-Museum Schloss Oberwiederstedt, die Stiftung „Wege wagen mit Novalis“ und den Trägerverein Klosterkirche Wiederstedt (Novalis-Taufkirche) getragen und unterstützt werden.
Ich producire am meisten im Gespräch ….
Friedrich von Hardenberg am 24.02.1798
im Brief an August Wilhelm Schlegel
Für die Außenwirkung der ING ist die Homepage der Gesellschaft von besonderer Bedeutung. Durch die Unterstützung und das so besondere Engagement der Mitarbeiterin des Novalis-Schlosses Frau Thodte gelang es, unsere Seite zu einem stets aktuellen und vielseitigen Informationsmittel rund um die Novalis-Gesellschaft weiter zu gestalten. Rückäußerungen, Anfragen, Vorschläge aus aller Welt und ganz besonders auch durch das Verfolgen der Homepage initiierte Beitrittserklärungen zur Gesellschaft bestätigen uns, hier auf dem richtigen Wege zu sein.
Insbesondere bietet sich hier die Gelegenheit, ING-Mitgliedern und Persönlichkeiten, die der Gesellschaft nahestehen und sie tatkräftig unterstützen, zu besonderen Auszeichnungen herzlich zu gratulieren.
Prof. Dr. em. Wolfgang Mieder wurde 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet,
unser Mitglied Wilhelm Bartsch erhielt in diesem Jahr den Rainer-Malkowski-Preis und den Bremer Literaturpreis,
unser Mitglied Prof. Dr. Jan Röhnert wurde vor wenigen Tagen mit dem Seume-Literaturpreis geehrt.
Erinnern - bewahren - lebendig werden lassen! Für ihr herausragendes, beispielgebendes Engagement bei Erhalt und Wiederbelebung der Klosterkirche Wiederstedt wurden Frau Maria Munk und unsere Mitglieder Landrat a.D. Hans-Peter Sommer, Jörg Kowalski, Mitglied des Präsidiums der ING und des Trägervereins Klosterkirche Wiederstedt (Novalis-Taufkirche) e.V., sowie Hans-Joachim Morcinitz, ebenfalls Mitglied der ING und des Trägervereins Klosterkirche Wiederstedt (Novalis-Taufkirche) e.V., durch den Engagementbotschafter Kultur des Landes Sachsen-Anhalt Prof. Antz mit dem Ottilien-Preis ausgezeichnet.
Ihnen allen gelten unsere herzlichen Glückwünsche!
Es ist uns eine besondere Freude, dass ein Subskriptionsangebot für eine limitierte Novalis-Wein-Edition des Weingutes Georg Naegele realisiert werden konnte. Dieses Angebot können Sie in unserer Weihnachtsaktion und auch im kommenden Jahr wahrnehmen.
Es gibt gar unterschiedne Beeren,
Von allen Farben trifft man sie,
Und manche hält man hoch in Ehren,
Und manche wirft man vor das Vieh.
Sie sind im Temprament verschieden
Und von gar mancherlei Statur;
Doch allen ist der Wein beschieden
Als Lieblingskindern der Natur.
Strophe 2 aus Novalis’ Gedicht Zur Weinlese
Das kommende Jahr wird Herausforderungen für Sie alle und auch für die ING bereithalten. Für die Gesellschaft wird dies insbesondere bedeuten, die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern weiter zu vertiefen und auszugestalten, gemeinsame Aktivitäten zu planen und zu realisieren.
Darüber hinaus wird die Vorbereitung und Durchführung der Tagung „Romantik im Netzwerk der Demokratie“ einen entscheidenden Aspekt unserer Arbeit bilden.
Aber auch die vorbereitenden Schritte zum Novalis- und Blütenstaub-Preis 2027, der Lesewettbewerb 2026, gemeinsam mit der Humboldt-Gesellschaft und der Forschungsstätte für Frühromantik und dem Novalis-Museum Schloss Oberwiederstedt veranstaltet, kulturelle Angebote zum 225. Todestag Novalis’, getragen durch die ING, die Forschungsstätte für Frühromantik und Novalis-Museum Schloss Oberwiederstedt sowie den Trägerverein Klosterkirche Wiederstedt (Novalis-Taufkirche), und natürlich in besonderem Maße auch die Vorbereitung und Durchführung des Mai-Treffens, das wir wieder mit unseren Partnern in regionale Kultur-Tage einbetten und ausgestalten wollen, sind 2026 in Angriff zu nehmen und mit Leben zu erfüllen. Nutzen Sie unsere Homepage, um sich aktuell dazu zu informieren.
Es schließt sich eine Bitte an Sie, liebe ING-Mitglieder, an: Sollten Sie die Möglichkeit haben, digital zu korrespondieren, bitten wir Sie herzlich, falls Sie dies noch nicht getan haben, uns Ihre Mail-Adresse mitzuteilen. Der Schriftverkehr auf diesem Weg erleichtert uns die Arbeit wesentlich. Herzlichen Dank!
Anfang des Jahres 2026 wird, wie gewohnt, die Jahres-Grußkarte der Gesellschaft an Sie versandt werden. In diesem Jahr wurde sie durch Ernestine und Peter Grün gestaltet. Wir danken Frau und Herrn Grün herzlich für dieses so schöne Kunstwerk, das zugleich auf die Tagung „Romantik im Netzwerk Demokratie“ einstimmen wird. Wir hoffen auf Ihr Verständnis, dass wir – aus Gründen der erforderlichen Portokostenreduzierung – dort, wo die Mailadressen uns vorliegen, die Möglichkeit des digitalen Versandes von Jahresbrief und Grußkarte wählen. In allen anderen Fällen nutzen wir, wie gewohnt, den postalischen Weg. Sehr gerne können wir Ihnen bei digitaler Zusendung des Briefes jedoch auf Wunsch die Grußkarte auch auf dem Postweg übersenden. Bitte informieren Sie uns entsprechend. Einige von Ihnen sammeln die Jahresgrußkarten, wie wir wissen.
Lassen Sie mich diesen Jahresbrief schließen mit dem herzlichen Dank an Sie alle für Ihre stützende und bereichernde Begleitung der Novalis-Gesellschaft im abgelaufenen Jahr.
Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für ein gutes, ein gesundes und erfolgreiches, Frieden bringendes Jahr 2026 für Sie und für Ihre Familien
im Namen des Präsidiums der Gesellschaft
Ihre
Karin Richter
Präsidentin Halle, im Dezember 2025









